top of page

E D E L

22. - 25. August 2024 Bronx Studios Lengfelden Salzburg 

 

Drei Nächte, drei Akte – das Thema "Edel" stand im Zentrum einer außergewöhnlichen künstlerischen Inszenierung in den Bronx Studios in Lengfelden, wo Kunst und Performance ineinanderflossen und die Grenzen des klassischen Ausstellungserlebnisses sprengten.

Axel Dietz beschrieb es treffend: „Das hier ist keine einfache Ausstellungseröffnung, es ist ein Theaterstück, und wir alle sind seine Darsteller.“ Mit diesen Worten eröffnete er die dreitägige Kunstschau, die die Besucher*innen nicht nur als Betrachter, sondern als Teil eines lebendigen Kunstwerks einlud.

Gezeigt wurden Werke von Elli Stockhammer, Debbova, Wolfgang Richter, Christian Ecker, Harald Wiesleitner, Andreas Hauch, Jana Jo Kürbiß, Cornelia Hutterer, Tobias Jäger, Alfred Loch, Herbert Wolfgang Riegler, Bernie Rothauer und Erich Schobesberger – jeder Künstlerin ein eigener Baustein in diesem Mosaik der Edel-Thematik. Ihre Arbeiten spannten einen Bogen von Malerei und Skulptur bis hin zu neuen Medien und Rauminstallationen.

Den Auftakt bildete ein dynamischer Tanzabend, der den Raum in Schwingungen versetzte und die Grenzen zwischen Tanz und bildender Kunst auflöste. Doch die Inszenierung steigerte sich weiter: Der dritte Abend wurde zum musikalischen Höhepunkt, als Peter Edlinger mit seinem Soloprogramm "Therese" der Kärntner Mundartdichterin Therese Edlinger (1904–1981) ein poetisches Denkmal setzte.

Spuren der Zeit

 

In der Ausstellung „E D E L“ wirft die Künstlerin debbova bewusst einen Blick auf ein Thema, das häufig in den Schatten der Gesellschaft gerät: Narben. Diese sichtbaren Spuren, die das Leben hinterlässt, sind mehr als bloße Verletzungen oder Erinnerungen – sie sind Zeugnisse einer Geschichte, die man für immer mit sich trägt und niemand einem nehmen kann. Genau diese Geschichten und die damit verbundenen Wunden, sowohl äußerlich als auch innerlich, setzt debbova in den Fokus ihrer Werke.

 

Der Titel der Gruppenausstellung spielt bewusst mit einem Spannungsfeld: Edel wird oft als Ausdruck von Schönheit und Reinheit verstanden. Doch was ist, wenn wir diese Begriffe auf das übertragen, was meist als unansehnlich und belastend empfunden wird? Narben, sowohl körperlich als auch seelisch, sind in der Wahrnehmung oft Makel, doch die Künstlerin zeigt, dass in ihnen eine tiefe Schönheit liegen kann. Sie spricht damit den Gegensatz an – das „Edel-Sein“ in etwas zu sehen, das eigentlich als gebrochen oder verletzt gilt.

 

Jede Narbe erzählt ihre eigene Geschichte. Sie kann Erinnerungen an Schmerz, Überwindung und Heilung in sich tragen, aber auch an den Versuch, sich vor der Welt zu schützen. Dabei sind die Narben nur die sichtbare Oberfläche – darunter liegt eine emotionale Tiefe, die sich nicht immer offenbart. Debbova versucht durch ihre Fotografien genau diesen verborgenen Raum auszuloten. 

Das Dargestellte soll zeigen, wie eng Schönheit und Schmerz beieinander liegen. Es geht nicht um eine ästhetische Überhöhung, sondern um eine subtile Wertschätzung des Verborgenen, des Übersehenen.

 

„E D E L“ lädt dazu ein, die Sicht auf Narben und Verletzlichkeit zu hinterfragen und vielleicht auch einen neuen Zugang zur eigenen Geschichte zu finden. Die Ausstellung ist nicht nur eine künstlerische Auseinandersetzung, sondern auch ein tiefgehendes Nachdenken über die menschliche Existenz – darüber, wie wir Schmerz und Heilung in uns tragen und sie letztlich als Teil von uns annehmen können.

bottom of page